Eigentlich hätten wir uns in knapp drei Wochen auf den Weg in Richtung Griechenland gemacht. Die Wohnung wäre bereits so gut wie leer und die Untervermietung wäre in trockenen Tüchern. Die Räder wären startklar und wir würden jeden Tag mehr Zeug einpacken das wir letzten Endes gar nicht brauchen. Wir würden ständig den Wetterbericht checken und unsere Abschiedsparty planen. Kurz gesagt: Wir würden uns die Nächte um die Ohren schlagen, weil wir vor Vorfreude kaum mehr schlafen könnten. Doch die Pandemie hat unser aller Leben lahm gelegt – und darüber hinaus viele weit schlimmere Opfer gefordert. Was also fangen wir mit der Situation an? Lieferverzögerungen bei den Fahrradteilen, Einstellung nicht notwendiger medizinischer Versorgung, Grenzschließungen, Schließungen des Einzelhandels. All dies hat unsere Planung komplett über den Haufen geworfen – unser neues Motto: Vorbereitung ist das halbe Leben, aber ohne wird’s wohl auch klappen.
Mittlerweile haben wir Mai und keine Ahnung wann unsere Reise beginnt, geschweige denn wohin es überhaupt gehen wird. Schließlich müssen wir Jahres- und Regenzeiten im Auge behalten. Doch wir haben die aktuelle Situation akzeptiert und nutzen bzw. genießen sie so gut es geht. In einer Pandemie lebt es sich langsam. Wir alle haben Zeit in den letzten Wochen bewusster erlebt, manch einem stand sie vielleicht zum ersten Mal seit langem wieder zur Verfügung – oder eben plötzlich nicht mehr. Auch wir haben nach anfänglicher Verleumdung der Situation auf Pause gedrückt und unseren Plan neu durchdacht. Wir konnten unsere Reiseräder (hoffentlich) noch genauer an unsere Bedürfnisse und Ziele anpassen, konnten unsere Ausrüstung besser planen und mehr Zeit in die Arbeit am Blog stecken.
Der aktuelle Stand der Dinge:
Routenplanung
Der ursprüngliche Plan: Wir fahren quer durch Europa bis nach Griechenland (Athen) und fliegen von dort nach Thailand (Bangkok) und radeln dann quer durch Südostasien.
Der neue Plan: Wir steigen noch in Deutschland (oder einem der Nachbarländer – je nach Flugpreis) in den Flieger und fliegen an die Ostküste der USA. Von dort radeln wir entlang der mexikanischen Grenze Richtung Westküste. Ab da wird neu geplant.
Regelmäßiges Training
Der ursprüngliche Plan: Wird schon schief gehen, wir radeln einfach mal drauf los. -Was du vorab wissen solltest, weder Pascal noch ich sind es gewohnt, tagelang für viele Kilometer auf dem Sattel zu sitzen.
Der neue Plan: Wir haben mittlerweile längere Touren hinter uns, bei der Länge haben wir uns an unserem Ziel von ca. 100 km pro Tag orientiert. Diese Touren zu machen war eine der besten Ideen die wir in der letzten Zeit hatten! Denn so war es uns möglich Schwachstellen an unseren Rädern auszumerzen und die Schwachstellen unserer Körper gut kennen zu lernen und im besten Fall auszumerzen:
- Schmerzen in den Zeigefingern und den Ellenbogen (Sitzposition, Lenker)
- latent schmerzende Hintern (schmalere Sättel)
- einschlafende Zehen (Geleinlagen, andere Schnürung)
Unsere Reiseräder
In ein paar Tagen beginnen wir mit dem Zusammenbau unserer Räder – derweil warten wir noch auf das endgültige Angebot über die letzten Teile und ein paar eintrudelnde Pakete. Hierzu also bald mehr 🙂
Reiseimpfungen
Ja wo fange ich da nur an? Vielleicht beim größten Problem – dem in Hannover nicht vorhandenen Tropeninstitut. Unsere Impfungen verliefen leider ziemlich holprig – denn unsere Ärztin wusste unserer Empfindung nach leider genau so viel über das Thema wie wir. Da ich vor zwei Jahren bereits für eine längere Zeit im Ausland war, kam mir die damalige Beratung im Tropeninstitut der UKSH in Kiel zu Gute – zusammen mit den Unterlagen, unserer Ärztin und dem Internet, haben wir es letzten Endes aber dennoch mehr oder weniger gut überstanden. An dieser Stelle: Keine Empfehlung für unser Vorgehen!
Was wir jedoch feststellen mussten, ist wie stark sich die Leistungen der Krankenkassen voneinander unterscheiden. Was wir bereits wussten: Die TK zahlt Reiseimpfungen nach wie vor komplett und anstandslos. Die ikk Classic trägt die Kosten laut telefonischer Auskunft auch komplett, hingegen dieser Auskunft hat sich leider im Nachhinein herausgestellt, dass dies lediglich die empfohlenen Behandlungskosten und nicht die tatsächlich veranschlagten Kosten Umfasst.
Wie es für uns nun weiter geht
Wann genau unsere Reise beginnt wissen wir nicht – doch wir bleiben optimistisch und gehen davon aus, dass wir noch dieses Jahr starten können. Realistisch gesehen rechnen wir mit August – November. Je nach Öffnung der Grenzen und Jahreszeit werden wir unsere Route beibehalten oder erneut umplanen – denn für uns steht fest, sobald Reisen wieder erlaubt sein wird, machen wir uns auf den Weg. Auch wenn die to-do Liste bis dahin noch lang ist und wir einiges aufgrund der Umstände in sehr kurzer Zeit über die Bühne bringen müssen (vor allem die Untervermietung der Wohnung) – wir schaffen das schon! Und freuen uns nach wie vor – denn hey, wir wollten doch Abenteuer? Warum also nicht auch schon jetzt.
